Aus dem Krankenwagen barfuß in die Ostsee

Foto: Malteser Neckar-Alb
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„Das war schon immer sein Wunsch“, berichtet Marion Kost von der Wochenendausfahrt nach Wismar. Die Liebe zu der Stadt im Norden wurde durch eine Fernsehserie geweckt. Karlheinz Kost ist begeisterter Fan der Krimireihe „Soko Wismar“. Doch alleine wäre die Fahrt für die Eheleute nicht mehr möglich gewesen. Marion Kost, 59 Jahre alt, ist auf eine Gehhilfe angewiesen. Und Karlheinz Kost erhält inzwischen das starke Schmerzmittel Morphium – selbst an die Ostsee zu fahren, war da undenkbar. Zumal auch die professionelle Unterstützung auf der langen Fahrt gefehlt hätte. „Alleine hätte ich mir zu viele Sorgen gemacht, dass unterwegs etwas passieren könnte“, sagt Marion Kost. „Schließlich kann jetzt alles schnell gehen.“ Und doch war da der Gedanke, ihrem Mann diesen letzten Wunsch zu erfüllen. „Das war wirklich sein Herzenswunsch, den wir ihm noch ermöglichen wollten, bevor alles noch schlimmer wird.“ Am Ende hatte Sohn Manuel die entscheidende Idee: Er erinnerte sich an das Malteser-Projekt „Herzenswunsch-KTW“, welches Schwerkranken und Sterbenden die Chance bietet, noch einmal etwas ganz Besonderes zu erleben.

Nach der Anfrage bei Anselm Scheifler, dem Seelsorger der Malteser im Bezirk Neckar-Alb, ging dann alles ganz schnell. Mit Gerd Lehmann, hauptberuflich Notfallsanitäter bei der Malteser-Rettungswache in Metzingen, und Lars Gehlhaar, Einsatzsanitäter der ehrenamtlichen Bereitschaft in Reutlingen, fanden sich prompt zwei Freiwillige, die ehrenamtlich als Fahrer und sanitätsdienstlich erfahrene Begleitpersonen zur Verfügung standen. „Diese Bereitschaft unserer Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, sich hier zu engagieren, ist ein ganz hohes Gut“, ist Malteser-Bezirksgeschäftsführer Marc Lippe dankbar. Zusätzlich kam Thomas Gerigk mit ins Boot. Der Dienststellenleiter der Malteser in Wismar organisierte die passende Unterkunft – Dank einer glücklichen Fügung eine einfache Aufgabe: Denn Mareike Cremer, selbst ehrenamtlich bei den Maltesern in Wismar tätig, ist Chefin des „Vienna-House Stadt Hamburg“-Hotels in Wismar. Sie kümmerte sich um die Unterkünfte für den Besuch in der ehemaligen Hansestadt, während Gerigk die in Corona-Zeiten erforderlichen Sondergenehmigung des Wismarer Ordnungsamtes einholte.

Am frühen Samstagmorgen holte der Herzenswunsch-Krankentransportwagen der Malteser die Eheleute Kost in Reutlingen ab. Trotz des Liegendtransportes war die Fahrt für Karlheinz Kost beschwerlich. Doch der 68-Jährige ist voll des Lobes für die beiden Malteser. „Bei jedem Wunsch von mir haben sie gleich angehalten und mir geholfen“, berichtet Kost. „Sie waren wirklich wie zwei Engel auf Erden.“ Vor Ort angekommen, nach der über 800 Kilometer langen Fahrstrecke, folgte dann die nächste Überraschung: Mareike Cremer hatte es sich nicht nehmen lassen, den Reutlingern die Hotel-Suite zur Verfügung zu stellen. Und die Wismarer Malteser legten noch eine Schippe drauf: In der Suite wartete neben einer Flasche Wein ein gerahmtes Bild mit den Unterschriften aller Hauptdarsteller von „Soko Wismar“. Das sei eine „gigantische Überraschung“ gewesen, blickt Karlheinz Kost voller Freude zurück. „Da ist uns auch die ein oder andere Träne gekommen“, gibt Marion Kost gerne zu.

Mit dem Krankentransportwagen wurden anschließend verschiedene Drehorte in Wismar besucht, und weil eine Hafenrundfahrt aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich war, lenkten Lehmann und Gehlhaar das Einsatzfahrzeug kurzerhand gekonnt einmal um den gesamten Hafen herum, sodass die Kosts sich alle im Hafen liegenden Schiffe ansehen konnten. Am Sonntagmorgen folgte dann noch eine Ausfahrt zum 25 Kilometer entfernten Ostseebad Insel Poel. „Ich war bis zu den Knien in der Ostsee und barfuß am Strand“, staunt Karlheinz Kost noch heute. Mit der anschließenden Rückfahrt endeten zwei erlebnisreiche Tage, die sich die Eheleute zuletzt nicht mehr hätten vorstellen können. Auch das ist ein Grund, weshalb die Kosts gerne bereit waren, ihre Geschichte zu erzählen: Um anderen Menschen die Hoffnung zu machen, was auch für Sterbende und Schwerkranke mit Hilfe des Herzenswunsch-KTWs der Malteser noch möglich ist. „Die ganze Fahrt war ein gigantisches Erlebnis für mich“, betont Karlheinz Kost abschließend dankbar. Und Marion Kost ergänzt: „Wir waren überwältigt. Wir wurden behandelt wie Könige, das hätten wir so nie erwartet.“

 

Info: Das Projekt Herzenswunsch-KTW

Sterbenskranke Menschen oder Sterbende haben oft noch einen großen, letzten Wunsch. Neben dem Kontakt zu nahen Angehörigen oder Freunden kann das auch einmal eine letzte Reise sein, ein Besuch am Bodensee oder an der Nordsee etwa. An Orten, mit denen wichtige Erfahrungen und Erinnerungen verknüpft sind. Unerreichbare Orte für die allermeisten, die auf Palliativstationen, im Pflegebett zu Hause oder in Hospizen ihre letzten Tage verbringen. Gänzlich unerreichbar sind diese Orte aber in Wirklichkeit nicht: Der Herzenswunsch-KTW der Malteser im Bezirk Neckar-Alb macht es möglich.

Die Abkürzung steht dabei für Krankentransportwagen. Dieser ermöglicht es den Betroffenen, ihren Herzenswunsch doch noch in Erfüllung gehen zu lassen. Etwa auch dann, wenn ein Transport im Liegen notwendig wäre – und unter Begleitung von medizinischem Fachpersonal. Denn der Herzenswunsch-KTW ist stets mit einem Rettungssanitäter und einem Rettungshelfer besetzt, die auch in Notfällen effektiv Hilfe leisten können. Mitarbeiter der Malteser im Bezirk Neckar-Alb, die im Rettungsdienst tätig sind, arbeiten auf dem Herzenswunsch-Krankenwagen ehrenamtlich mit. Mitfahren kann in der Regel auch eine Begleitperson, und auch der Malteser-Seelsorger Anselm Scheifler begleitet die Fahrten des Herzenswunsch-KTWs, einer bundesweiten Aktion der Malteser, gerne und unterstützt diese zumeist vorletzte Reise der Menschen.

Finanziert werden die Herzenswunsch-Fahrten einerseits durch die ehrenamtliche Arbeit der Beteiligten bei den Maltesern, aber auch durch einen Fond, der die restlichen Kosten trägt. Das Angebot des Herzenswunsch-Krankenwagen gilt für alle 4 Landkreise des Malteser Bezirk-Neckar-Alb: Die Landkreise Esslingen, Reutlingen. Tübingen und den Zollernalbkreis.

Spendenkonto IBAN: DE61 6115 0020 0100 2464 03 bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Verwendungszweck: Herzenswunsch-Krankenwagen