Die Integration eines freiwilligen Auslandseinsatzes in die Notfallsanitäter-Ausbildung soll Auszubildenden die Möglichkeit geben, über den gewohnten Arbeitsalltag hinaus Erfahrungen zu sammeln und den Rettungsdienst in einem anderen Umfeld kennenzulernen. Gerade in einem Beruf, der täglich Verantwortung, Teamarbeit und schnelle Entscheidungen erfordert, sind zusätzliche praktische Erfahrungen besonders wertvoll – sowohl fachlich als auch persönlich.
Ein solcher Einsatz bedeutet jedoch mehr als nur das Kennenlernen eines anderen Gesundheitssystems. Die Arbeit der Malteser orientiert sich seit jeher am Leitgedanken „Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“. Gerade in Medjugorje wird dieser Auftrag besonders sichtbar. Neben der medizinischen Versorgung steht vor allem die Unterstützung von Menschen im Mittelpunkt – unabhängig von Herkunft, Sprache oder persönlichen Hintergründen.
Medjugorje ist ein international bekannter Pilgerort, der jedes Jahr von bis zu zwei Millionen Menschen aus aller Welt besucht wird. Viele Menschen kommen mit religiösen, persönlichen oder gesundheitlichen Anliegen an diesen besonderen Ort. Aus diesem Grund engagieren sich die Malteser dort bereits seit vielen Jahren und betreiben gemeinsam mit lokalen Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften eine Sanitätsstation mit angeschlossener Ambulanz und Rettungsdienst. Ziel ist es, Pilgerinnen und Pilgern sowie allen Hilfesuchenden eine medizinische Anlaufstelle und schnelle Unterstützung zu bieten.
Während des zweiwöchigen Aufenthalts waren die beiden Auszubildenden auf einem Krankenwagen an dieser Sanitätsstation eingesetzt. In der ersten Woche erhielten sie zusätzlich Unterstützung von zwei Kollegen aus Wolfsburg und drei Kollegen aus Münster.
Schon nach kurzer Zeit haben Sebastian und Lasse gemerkt, wie herzlich und offen die Menschen vor Ort sind. Durch die freundliche und entspannte Atmosphäre fühlten sie sich schnell willkommen. Neben dem Dienst blieb auch Zeit, die landschaftliche Schönheit der Region zu entdecken und die regionale Küche kennenzulernen.
Besonders spannend war für die beiden die Erfahrung, medizinische Versorgung unter anderen Rahmenbedingungen als in Deutschland kennenzulernen. Der Rettungsdienst funktioniert dort in vielen Bereichen anders: Es stand weniger Material zur Verfügung, Versorgungsstrategien unterschieden sich deutlich von den gewohnten Abläufen und auch die finanziellen Möglichkeiten waren begrenzt, da sich die Ambulanz ausschließlich über Spenden finanziert. Gleichzeitig zeigte sich eindrucksvoll, wie mit viel Erfahrung, Engagement und pragmatischen Lösungen eine gute Patientenversorgung sichergestellt werden kann.
Während des Einsatzes erlebten die beiden angehenden Notfallsanitäter wie der Gedanke der „Hilfe den Bedürftigen“ täglich gelebt wird. Gerade unter teilweise einfacheren Rahmenbedingungen wurde deutlich, dass gute Hilfe nicht allein von technischem Equipment abhängt, sondern vor allem von Menschlichkeit, Engagement und der Bereitschaft, Menschen in besonderen Situationen zu begleiten und zu unterstützen.
Da Medjugorje jährlich zahlreiche Pilger aus aller Welt anzieht, wurden Patienten unterschiedlichster Nationalitäten versorgt. Dadurch gab es täglich Kontakt mit verschiedenen Sprachen und Kulturen – ein Aspekt, der den Einsatz besonders abwechslungsreich machte.
Auch die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Rettungsdienst war sehr interessant. Durch gemeinsame Einsätze und persönliche Gespräche erhielten die beiden Malteser spannende Einblicke in die Arbeitsweise sowie in das Rettungsdienst- und Gesundheitssystem eines Landes außerhalb der Europäischen Union.
Der Auslandseinsatz hat Sebastian und Lasse gezeigt, wie wichtig es ist, den eigenen Blickwinkel zu erweitern und den Rettungsdienst einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Sie konnten neue Eindrücke sammeln, mehr Selbstständigkeit und Verantwortung übernehmen und viele interessante Menschen kennenlernen. Besonders in Erinnerung bleiben beiden die Herzlichkeit der Menschen, die besondere Atmosphäre vor Ort und die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
„Für uns war diese Erfahrung fachlich wie persönlich eine große Bereicherung – und gleichzeitig waren wir nach dieser spannenden Zeit auch froh, wieder in unser gewohntes Arbeitsumfeld zurückzukehren.“, sagt Sebastian.