Notfallsanitäter-Azubis der Malteser üben gemeinsam mit dem THW

Einsatzkräfte der Malteser und des Technischen Hilfswerkes bei der Übung auf dem Truppenübungsplatz in Böblingen. Foto: Malteser Neckar-Alb

Der Technische Zug des THW-Ortsverbandes Neuhausen hatte bei der US-Army angefragt, da das Technische Hilfswerk als Bundesorganisation zu bestimmten Terminen auf das Übungsgelände der United States Marine Corps Forces Europe zugreifen können. „Eine Voraussetzung ist dabei, auch die medizinische Notfallversorgung aller Übungsteilnehmer garantieren zu können“, erklärt Alexander Koch, Verwaltungsbeauftragter beim THW Neuhausen. So kamen die Helfer der Bundesorganisation mit den Maltesern im Bezirk Neckar-Alb ins Gespräch. „Da lag es für uns nahe, unsere Auszubildenden bei dieser Gelegenheit selbst praktisch üben zu lassen“, sagt Arthur Schuppert. Der Notfallsanitäter nahm als Ausbildungsleiter an der Übung teil und ist als Zugführer und Bereitschaftsleiter auch in der ehrenamtlichen Ortsgliederung Nürtingen der Malteser im Katastrophenschutz tätig. Die vier Auszubildenden, allesamt im ersten Lehrjahr, nahmen freiwillig an der Übungsmöglichkeit mit dem THW teil.  

Das Szenario erinnerte an eine Großschadenslage, wie sie zuletzt im Ahrtal zur harten Realität geworden war. Geübt wurde etwa eine Gewässerüberquerung. Dabei mussten die THW-Helfer unter tatkräftiger Unterstützung der Malteser eine Ponton-Plattform als Ausleger ins Wasser auf Basis eines modifizierten Tonnensteges aufbauen. Mittels Arbeitsleinen, Spanngurten, Rundhölzern, Dielen und vier Schwimmkörpern wurde die Aufgabe angegangen. Am Ende wurde die Konstruktion auf Wasser gesetzt und anschließend die errechnete Tragfähigkeit von ca. einer Tonne erfolgreich getestet. Auch im Ahrtal waren bekanntlich zahlreiche Brücken durch das Hochwasser zerstört worden. Die THW-Helfer hatten zudem die Aufgabe, mehrere Gebäude auf dem Übungsgelände nach vermissten Personen abzusuchen und die Gebäude auf ihre statischen Eigenschaften hin zu prüfen. Dabei wurden zwei „verletzte“ Puppen aufgefunden: Eine war im Obergeschoss von herabstürzenden Wänden eingeklemmt worden, die zweite Puppe lag bewusstlos in einem schwer zugänglichen Kellerbereich.  Die Malteser-Azubis übernahmen jeweils die Erstversorgung der „Patienten“, während das THW mit seinem Team die technische Rettung vorbereitete. Erst mussten etwa die Lasten vom Patienten sicher abgenommen werden, während die schonende Bergung per Leiterhebel durch das Fenster vorbereitet wurde. „Wichtig sind dabei die Absprachen zwischen dem Rettungsdienst und den anderen Hilfsorganisationen, wie in dem Fall das THW“, erklärt Schuppert. Wie lange wird die Befreiung dauern? Welche Methoden sind aus medizinischer Sicht für die Patienten am schonendsten? Eine gemeinsame Absprache zwischen den Führungskräften ist hier essenziell – über die eigene Hilfsorganisation hinaus. „Hier können wir lernen, eine Sprache zu sprechen“, betont auch Melanie Reiner, Zugtruppführerin beim THW Neuhausen.  

Für Arthur Schuppert war zudem wichtig, dass sich die künftigen Notfallsanitäter auch mit weiteren Aspekten eines solchen Katastrophenszenarios beschäftigten. Wie etwa die Priorisierung von mehreren Patienten, wenn die eigenen Kräfte nicht ausreichend sind, um alle zugleich zu versorgen. Auch das „Haushalten“ mit den eigenen Rettungsmitteln kam zur Sprache – schließlich sind die Vorräte an Medikamenten und Medizintechnik auf einem Rettungswagen oder einem Krankentransportwagen endlich – und eine punktgenaue Versorgung ist im Katastrophenfall nicht garantiert. „Im Ahrtal hatten wir teilweise Anfahrtswege von über einer Stunde zum nächstmöglichen Krankenhaus“, machte Schuppert den Azubis deutlich, wie sehr sich eine solche Naturkatastrophe vom Alltag im Rettungsdienst unterscheidet. Besonders spannend war dies für drei Auszubildende, die sich auch ehrenamtlich in der Ortsgliederung Nürtingen im Katastrophenschutz einsetzen.  

Das THW Neuhausen war mit 19 Einsatzkräften an der Übung beteiligt. Darunter auch viele Ehrenamtliche, die kurz vor ihrer Abschlussprüfung der Grundausbildung stehen. Die Malteser Neckar-Alb waren mit einem Rettungswagen und einem Krankentransportwagen sowie zwei Sonderfahrzeugen und insgesamt sechs Einsatzkräften vor Ort. Nach den gemeinsamen Übungen am Samstag wurde auf dem Truppenübungsplatz übernachtet, am Abend gab es beim gemeinsamen Grillen reichlich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und die jeweils andere Hilfsorganisation näher kennenzulernen. „Gerade dieses über den Tellerrand schauen wollten wir hier fördern“, berichtet Schuppert. Am Sonntag wurden dann die Einsatzfahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht, ehe der Rückmarsch vom Truppenübungsplatz erfolgte.


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