Seit Oktober 2020 im Dienst: Die Rettungswache in Rottenburg am Neckar

Foto: Malteser Neckar-Alb
Vor der Rettungswache: Rettungswagen und Krankenwagen Foto: Malteser Neckar-Alb
Vor der Rettungswache: Rettungswagen und Krankenwagen Foto: Malteser Neckar-Alb
Blick in den Gemeinschaftsbereich. Foto: Malteser Neckar-Alb
Blick in einen Umkleideraum. Foto: Malteser Neckar-Alb
Blick in einen Umkleideraum. Foto: Malteser Neckar-Alb
Blick in den Aufenthaltsraum. Foto: Malteser Neckar-Alb

Rettungswachleiter Paul-Johannes Hergel, der bereits seine Ausbildung zum Notfallsanitäter bei den Maltesern im Bezirk Neckar-Alb, auf der Rettungswache in Albstadt, absolvierte und zuvor bereits als Rettungssanitäter tätig war, schwärmt vom Einzugsgebiet der Rottenburger Rettungswache: „Wir haben die Stadt Rottenburg, den ländlichen Raum rund um das Starzachtal und Ammerbuch, aber auch die Tübinger Unikliniken, die Rottenburger Justizvollzugsanstalt und einen Teilabschnitt der Autobahn 81.“ Kein Tag sei daher wie der andere, wobei die Malteser seit dem 1. September einen Rettungswagen in der Notfallrettung von 8 bis 20 Uhr einsetzen. Am 1. November folgte dann ein Krankentransportwagen für planbarere Einsätze, der im Zwei-Schicht-Betrieb von 7 bis 23.30 Uhr zur Verfügung steht. Eine Erweiterung, etwa hin zu einer dauerhaft besetzten Rettungswache, sei durchaus möglich, blickt Hergel voraus. „Unsere Einsatzzahlen steigen stetig.“ Gab es für den Rettungswagen zu Beginn um die 70 Einsätze im Monat, hat sich die Zahl bereits bis heute verdoppelt. Der Krankentransportwagen absolviert monatlich zwischen 180 und 220 Fahrten.

Zur Rottenburger Rettungswache gehören drei Notfallsanitäter, fünf Rettungssanitäter sowie Helfer im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und im Bundesfreiwilligendienst (BFD). „Insgesamt sind wir 14 Personen, ein kleines, familiäres Team“, freut sich Hergel. Das Team der Malteser Rettungswache Rottenburger ist dabei sehr jung – im Durchschnitt sind die Rettungsdienst-Mitarbeiter in der Domstadt 24 Jahre alt. „Der Älteste ist 26“, weiß Wachleiter Hergel. „Wir haben uns an dieses Projekt gewagt und sind jetzt gut dabei. Wir haben die Wache von null auf aufgebaut“, ist der selbst erst 23-Jährige hörbar Stolz auf seine Mannschaft. Ebenfalls sehr zufrieden mit der Entwicklung in Rottenburg ist Marc Lippe, der Geschäftsführer der Malteser im Bezirk Neckar-Alb: „Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit der Kollegen in der neuen Wache in Rottenburg.“

Gerade aufgrund des jungen Teams ist es Lippe und auch Hergel wichtig, stets ein offenes Ohr für die  Mitarbeiter zu haben. Belastende Einsätze werden stets auf der Wache nachbesprochen. Mit einem täglichen Team-Briefing wird der Zusammenhalt gestärkt und ein täglicher Übungswunsch definiert – so können neue Mitarbeiter rasch an Erfahrung gewinnen. „Uns hat das auch schnell die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen aufgezeigt“, bilanziert Hergel. Die Teamarbeit würde so immer besser – zu Wohle der Patienten. Auch zu den ehrenamtlichen Einsatzkräften besteht ein kurzer Draht, Hergel und der ehrenamtliche Stadtbeauftragte Karlheinz Grimm teilen sich ein Büro.

Bei der Teamarbeit denkt der Wachleiter dabei auch über die eigene Malteser-Rettungswache hinaus. Denn gerade im ländlichen Raum arbeiten die hauptamtlichen Retter oft mit den Ehrenamtlichen „Helfern-vor-Ort (HvO)“ zusammen. Diese sind meist näher am Patienten dran und können mit professioneller Erster Hilfe die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken und erste, lebensrettende Maßnahmen einleiten. Kurzerhand suchte Hergel den Kontakt zum DRK-Ortsverein Ammerbuch, um ein Kennenlernen zwischen Haupt- und Ehrenamt zu ermöglichen. „Inzwischen haben wir ein freundschaftliches Verhältnis“, freut sich Hergel. In Zukunft sind gemeinsame Übungen geplant, um die Zusammenarbeit weiter zu verbessern. „Gerade bei einer Reanimation sind viele helfende Hände gefragt“, nennt der Rettungswachenleiter ein Beispiel. „Und wenn unser Team am Patienten bleiben muss, wissen die Helfer-vor-Ort auch, was in unserem Fahrzeug wo verstaut ist, um uns gegebenenfalls weitere Geräte zu bringen.“ So kann die Erstversorgung noch flüssiger klappen, was jedem Patienten zu Gute kommt. Ähnliche Wirkung soll das Projekt „Zusammen stark 112“ entfalten, welches derzeit im Landkreis Tübingen geplant wird. Es beinhaltet gemeinsame Übungen der verschiedenen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie der Polizei, dem Technisches Hilfswerk oder auch den Freiwilligen Feuerwehren. Natürlich sind auch die Rottenburger Malteser mit im Boot.

Natürlich ging auch die Corona-Pandemie nicht spurlos an der neuen Rettungswache vorbei. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern der Ortsgliederung werden derzeit Corona-Schnelltests für das bischöfliche Ordinariat organisiert. Mit gutem Teamgeist und dem Einhalten der Hygienemaßnahmen sei zudem erfolgreich verhindert worden, das Virus in die Rettungswache zu bringen. Nun geht der Blick bei den Rottenburger Maltesern aber in die Zukunft. Gesucht wird derzeit ein Notfallsanitärer als Praxisanleiter. Dann könnte die Rettungswache, die auch über einen eigenen Schulungsraum verfügt, auch als Lehrrettungswache fungieren. Angedacht ist auch ein Ausbau der Transportkapazitäten im Krankentransport, vor allem an den Wochenenden. Lernen könnten die Auszubildenden in Rottenburg eine ganze Menge, ist Wachleiter Hergel überzeugt. „Wir liegen hier sehr verkehrsgünstig. Nach dem Ausbau der B27 können wir auch die Tübinger Paul-Horn-Arena innerhalb der Hilfsfrist erreichen“, sagt der Notfallsanitäter. „Und nur ein paar Straßen von unserer Wache entfernt gibt es ein Beatmungspflegeheim für Intensivpatienten.“

Außerdem gibt es da auch noch die bekannte Rottenburger Justizvollzugsanstalt, für die alle Rettungskräfte der Malteser eine eigene Einweisung benötigen, um die Verhaltensregeln vor Ort zu kennen. „Wir werden dort natürlich immer von JVA-Beamten begleitet“, berichtet Hergel. Weshalb die Patienten in Haft sind, erfahren die Helfer aber nie. „Im Rettungswagen auf dem Weg zum Krankenhaus werden wir aber manchmal nur von einem, manchmal auch von drei Beamten begleitet“, sagt Hergel. „Da fragt man sich schon, warum das so ist.“ Am Ende zählt für die Einsatzkräfte aber einfach der Mensch. „Im Gefängnis erlebt man die ganze Bandbreite an Persönlichkeiten, wie auch im normalen Rettungsdienstalltag“, ergänzt Hergel.

Eines ist daher sicher: Auf der Malteser Rettungswache Rottenburg bleibt es spannend. Die junge, aber zugleich auch hochqualifizierte Mannschaft um Rettungswachenleiter Paul-Johannes Hergel dürfte die Aufgaben aber sicher meistern. Zur Überlandhilfe rücken die Malteser dabei übrigens auch in den Landkreis Böblingen aus, auch die Klinik in Nagold und Herrenberg hat mitunter Besuch von den Rottenburger Maltesern. Einer Weiterentwicklung der Rottenburger Rettungswache dürfte daher in naher Zukunft nichts im Wege stehen.